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Historischer Bestand

Im Gebiet der "Bahnstadt" befinden sich verschiedene bauliche Besonderheiten. 

Einige von ihnen sind ausgewiesene technische Kulturdenkmäler, andere hingegen werden als schützenswerter Baubestand eingestuft und sind nicht geschützt im Sinne des Denkmalschutzgesetzes:
- Bahnbetriebswerk, 
- Wasserturm am Bahnbetriebswerk,
- Alte Drehscheibe
- Stellwerk und der
- Wasserturm am Czernyring

Geschichte und Technik des Wasserturms

Über Jahrhunderte hinweg wurden überall in der Welt Wassertürme gebaut. Sie dienten nicht nur zur Bevorratung von Wasser, sondern boten für unterschiedlich starke Nutzer die Möglichkeit, gleichzeitig ohne zusätzliche Pumpen Wasser aus dem angeschlossenen System zu entnehmen. Besonders im 19. (Industrialisierung) und 20. Jahrhundert erlebte der Wasserturmbau seine Blütezeit.

Die Wasservorräte in den Behältern der Wassertürme, deren Befüllung in einfachen Kulturen teilweise sehr mühsam gewesen sein dürfte, dienten dazu, für den Wasserabfluss einen kontinuierlichen Druck in den Versorgungsleitungen aufzubauen. Dieser war abhängig von der Höhe des Wasserturms. Daher finden sich viele Türme besonders oft auf Hochebenen oder Gebieten ohne Hügel. Auch heute dienen sie noch zur Unterstützung von Pumpwerken für den privaten als auch den industriellen Bedarf, wenn diese in Spitzenzeiten zur alleinigen Versorgung nicht ausreichen. 


Stützboden-Behälter (Intze I)

Otto Intze, Ordinarius für Baukonstruktionslehre und Wasserbau an der Königlichen Hochschule Aachen patentierte 1883 eine Kombination der Kraftwirkung eines Hängebodens mit denen eines nach oben gewölbten Boden. 

Auf den Auflagering wirken nur noch Druckkräfte, die gesamte Materialbeanspruchung ist gering. Diese Konstruktion finden wir im Wasserturm in Heidelberg, zu erkennen an der Kuppel im Partyraum `up`.

Geschichte der Wassertürme: 19. Jahrhundert

Wassertürme entstanden in Deutschland in großer Zahl seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Beginnend mit der Notwendigkeit der Wasserversorgung der Dampflokomotiven auf dem sich ab 1840 rasant über den deutschen Staaten ausbreitenden Gleisnetz, entstanden die ersten Wasserhochbehälter. Diese waren noch keine selbstständigen Turmbauten, sondern als bloße Vorratsgefäße in Bahnhofsbauten integriert.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserversorgung in den wachsenden Städten von Hausbrunnen auf Rohrnetze umgestellt, die Frischwasser in jede Wohnung leiteten. Damit der Wasserdruck auch in den obersten Wohnungen der oft noch ausreichend war, musste das Wasser noch höher als die obersten Wohnungen gespeichert werden. Dazu wurden Hochbehälter gebaut. Sie wurden auf kleinen Bergen oder  im Flachland  auf Türmen angelegt. Die damaligen dampfgetriebenen Pumpen arbeiteten noch nicht kontinuierlich wie moderne Pumpen und konnten sich vor allem nicht auf schwankenden Bedarf einstellen. So war eine kurzfristige Druckerhöhung durch Pumpen nicht möglich, die z.B. bei der Bekämpfung eines Brandes erforderlich ist. Die öffentliche Versorgung mit sauberem Trinkwasser wurde in der Gründerzeit, der Zeit der zunehmenden Verstädterung und damit einhergehend der Verschlechterung der Lebensumstände, zum Problem. Die in dieser Zeit errichteten Wasserwerke mit großen Reservoirs und Hochbehältern trugen in Verbindung mit Versorgungs- und Abwasserleitungen wesentlich dazu bei, Epidemien vorzubeugen. Ohne die Versorgung der Industriestädte mit ihren häufig sehr beengt lebenden proletarischen Bevölkerungsmassen und große Mengen von Abwasser erzeugenden Betrieben kam es zuvor immer wieder zu Epidemien großen Ausmaßes.

Man gab sich vor allem bis zum Anfang des 20.Jahrhundert große Mühe mit der baulichen Gestaltung. Viele Türme standen mit ihren Verzierungen Kirch- und Schlosstürmen nicht nach und wurde oft eine Zierde des Stadtbildes. Einige Hochbehälter, vor allem die, die der Eisenbahn zum schnellen Auffüllen der Wassertanks der Dampflokomotiven dienten, blieben unverkleidet.


Einige Städte und Gemeinden, Wasserversorgungsbetriebe und private Investoren haben beispielhaft Wassertürme renoviert und diese zu Schmuckstücken ihrer Umgebung gestaltet.

Auch die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten nicht mehr gebrauchter Wassertürme (z. B. als Ausstellungsraum, Atelier, Wohnung, Hotel,…) ist beeindruckend und könnte Ansporn sein, sich für „seinen“ Turm in der Nähe zu engagieren.

Funktionsprinzip

Die Gebäude der Stadt werden allein durch die  Schwerkraft mit Wasser versorgt. Der Behälter hängt wie ein normaler Abnehmer am Netz. Bei geringem Trinkwasserverbrauch wird er aufgefüllt, bei Verbrauchsspitzen leert er sich. Auf diese Weise wird der Druck im Netz immer konstant gehalten. Es werden keine weiteren Pumpen benötigt als die, die den Turm befüllen. Damit das System funktioniert, darf kein Abnehmer höher als der oberste Einspeisungspunkt des Turmes liegen (Prinzip der kommunizierenden Röhren bzw. Hydrostatisches Paradoxon).



Die Speicherung großer Mengen des sehr schweren Wassers war eine ingenieurtechnische Herausforderung. Daher waren das Fassungsvermögen der ersten Türme noch gering. Später, vor allem durch die Leistung der Ingenieure Intze, Barkhausen und Klönne, wurde raffinierte Behälterformen entwickelt, die zunächst aus Gußeisen und Stahl gebaut wurden, später auch aus Beton. Diese Behälter faßten zur Zeit ihrer Errichtung ein Viertel des Tagesbedarfs und konnten über Hydranten auch die Feuerwehr jederzeit mit großen Wassermengen versorgen

Die Behälter werden seit 1830 in Stahl ausgeführt, ab ca. 1870 auch in Stahlbeton und seit ca. 1940 auch in Spannbeton.   Im Inneren sind Wassertürme meistens leer, es sei denn, man hat den unteren Teil des Turms für Wohnungen genutzt. Nur ganz oben, oberhalb der damals höchsten Wohnungen sitzt der oft gewaltige Behälter. Dicke Rohre führen zum Behälter, eines zum Auffüllen, das dickste ist mit dem Rohrnetz verbunden. Ein Überlaufrohr sorgt dafür, dass der Turm nicht überlaufen kann.

Geschichte der Wassertürme: 20. Jahrhundert

Es werden zwar weiterhin neue Wassertürme gebaut oder ältere funktionstüchtig gehalten, aber immer mehr ist festzustellen, dass Türme ungenutzt verfallen oder abgerissen werden. So befinden sich entlang von Bahnlinien noch viele Türme, die durch das Aussterben dampfgetriebener Lokomotiven nicht mehr benötigt werden. 

Auch in den Städten und alten Industriegebieten stehen oft denkmalgeschützte wunderschöne Türme ungenutzt herum und warten auf Liebhaber und Investoren, die mithelfen, die wichtigen Zeugen vergangener Zeiten zu erhalten.

Umnutzung von Wassertürmen

Heute sind die noch erhaltenen Wassertürme nicht selten eindrucksvolle bauliche und technische Denkmäler. Ihr Erhalt ist jedoch gefährdet, da sie zunehmend durch erdnahe Speicherbecken mit Pumpanlagen ersetzt werden. Verfall oder Abbruch sind die Folge.

Eine Alternative zum Abriss ist die Umnutzung der Wassertürme. Zwar gehen dadurch oft die technischen Einbauten (Speicherbecken und Pumpenanlagen) verloren, aber so kann wenigstens die Hülle erhalten werden. Die Erhaltungkosten des Gebäudes stehen bei einer sinnvollen Nutzung des Gebäudes in (einigermaßen) reellem Bezug zum Nutzen.

Weit verbreitet ist auch die Nutzung von Wassertürmen als Standort von Sendeeinrichtungen im UKW-Bereich mit kleiner Leistung, wie für den nichtöffentlichen Landfunkdienst und den Mobilfunk, wie in dem Wasserturm der Bahnstadt.

Heute haben die meisten Wassertürme ihre Funktion verloren. Elektronisch gesteuerte Kreiselpumpen sichern einen gleichbleibenden Druck im Wassernetz und können auch Bedarfsspitzen, z.B. direkt nach einem Fußball-Länderspiel meistern. Die Türme stehen oft leer, viele werden inzwischen als Wohnungen genutzt oder als Ausstellungsräume.

Übrigens: Wer mal eine Wasserturm von innen sehen möchte und dabei viel über die Wasserversorgung lernen möchte, sollte das Aquarius Wassermuseum in Mülheim /Ruhr besuchen oder er feiert eine Party im Heidelberger Wasserturm.